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Wassertag, 18. Rahja 1035 Bosparans Fall

Fantastische Kreatür

Bereits 2008 kam der Codex Monstrorum heraus. Dieser legte das Augenmerk auf 50 ausgewählte Monster und erhob nicht den Anspruch ein umfassender myranischer Kreaturenband zu sein. Dies wird nun mit dem am 18.Oktober 2012 erschienenen Myranische Monstren nachgeholt. Dennoch wird nicht der Anspruch erhoben eine hundertprozentige Komplettdarstellung zu liefern. Es bleibt in der Fauna Myranors genug Platz für Eigenkreationen.

Äußerlichkeiten
Das Cover sticht zuallererst ins Auge. Darauf ist der Angriff eines Khemosirudels auf eine Reisegruppe oder Karawane zu sehen. Bei den genutzten Lasttieren handelt es sich um Hurdar, u.a. gut an ihrer Kopfplatte zu erkennen. Komplettiert wird das Aufgebot neben den Mitgliedern der Reisegruppe von einem hoch über der Szenerie fliegenden nur silhouettenhaft zu erkennenden Drachen und einer kleinen Echse in der rechten unteren Ecke. Der muskulöse Körperbau der Khemosi ist gut getroffen, und auch insgesamt weiß das Cover zu gefallen.

Im Innenteil fällt sofort auf, dass es sich bei Myranische Monstren um einen komplett vollfarbigen Band handelt. Die Seitengestaltung und –farbe ist angenehm beim Lesen. Die Monsterillustrationen sind ziemlich gelungen. Wie z.B. der hier dargestellte Raubbiber, ein sogenannter Knochentürmer.
Der zweite Vollfarbband nach Unter dem Sternenpfeiler bleibt also hoffentlich nicht der Letzte.

Aufbau und Inhalt
Zunächst gibt es einen allgemeinen Regelteil. Hier werden Besonderheiten beschrieben, die das Spiel – und in diesem Sinne oft den Kampf – mit Kreaturen betreffen. Die bereits in Wege des Schwertes festgelegten Mechanismen werden noch einmal kurz dargestellt und punktuell modifiziert. Neben Attributen wie z.B. Amphibisches Wesen, Gift (in verschiedenen Stufen), oder zusätzliche Kampfaktion(en) gibt es noch Fertigkeiten. Diese können verschiedene Kampfmanöver oder auch „richtige Talente“ mit drei Eigenschaftswürfen und Talentwert sein. Die Anwendung des normalen Talentsystems ist nicht zufriedenstellend gelöst.
Nehmen wir die Sinnenschärfe, ein Talent über das fast alle Kreaturen verfügen. Aufgrund des zumeist niedrigen tierischen KL-Werts wird der eigentlich hohe Talentwert relativiert. Einem Stahlfalken dürften beispielsweise beim Probewurf auf die KL mit Attributwert 3 ein guter Teil seiner 14 TaP „draufgehen“.

Nach diesem Regelteil geht es weiter mit einem Abschnitt zur Ausbildung von domestizierten Tieren. Dieses Themengebiet wurde gegenüber der Zoo-Botanica Aventurica vereinfacht und gekürzt, was zu begrüßen ist. Abgeschlossen wird das Kapitel mit Ergänzungen zum Reiterkampf und zur Jagd.

Danach startet der eigentliche Band mit den Kreaturenbeschreibungen. Hier wurde eine Zweiteilung vorgenommen. Zuerst werden Standardkreaturen geordnet nach Landschaftszonen plus Nutztiere beschrieben. Dazu gibt es jeweils einen Fließtext für alle Kreaturen gefolgt von einem gesammelten Werteblock.
Abgeschlossen wird jeder Abschnitt von einem weiteren abgespeckten Werteblock für nichtbeschriebene „Allerweltskreaturen“ der jeweiligen Landschaftszone. Dieses System finde ich nicht schlecht, denn ein Hase, eine Wühlmaus oder eine Antilope brauchen keine große Beschreibung. Das wäre Platzverschwendung. Den Kyalach hätte ich allerdings gerne im zweiten Teil der Kreaturenbeschreibungen gesehen: dem Bestiarium.

In diesem werden über 100 ausgewählte Kreaturen alphabetisch geordnet ausführlich beschrieben. Dazu wurde jedem Monster eine eigene farbige Illustration spendiert. Farbige Markierungen auf einer Karte zeigen die üblichen Lebensräume der vorgestellten Wesenheit an. Im Fließtext wird erklärt, was man sich denn überhaupt unter der beschriebenen Kreatur vorzustellen hat. Es wird auf die Lebensweise eingegangen, also z.B. Verhalten, Ernährungsweise oder Reaktion des Tiers bzw. eines Rudels gegenüber Fremden. Analog zur Karte wird noch einmal auf die Verbreitung eingegangen. Besonders interessant ist die Kategorie Im Spiegel der Kulturen. Hier wird beschrieben, was man in verschiedenen Regionen über die Kreatur zu wissen glaubt. Dazu gibt es Legenden, Kuriositäten und andere Einschübe. Dahinter verstecken sich häufig Möglichkeiten, die Kreatur ins Spiel einzubinden oder gar zum zentralen Thema eines Abenteuers zu machen. Zum Abschluss gibt es einen Wertekasten, in dem zusätzlich zu Daten wie Größe und Kampfwerte, Kampfweise auch auf eventuelle Unterarten eingegangen wird.

Die Bandbreite der Kreaturen ist groß. Sie reicht von parasitären Lebensformen in Mikrobengröße bis hin zu wahrhaft titanischen Monstern. Einige davon sind bereits aus dem Codex Monstrorum bekannt, wie z.B. der wunderbare Albschmeichler. Andere kennt man schon aus anderen Welten. Dune lässt u.a. grüßen. Kaum eine der vorgestellten Wesenheiten ist ungefährlich. Es sind allerdings auch Nutztiere dabei, wie der Versuch einer Annäherung an eine für die Landwirtschaft nutzbare eierlegende Wollmichsau.
Auffällig ist, für wie viele umherstreunende Ungeheuerlichkeiten die Familie Phraisopos verantwortlich ist. Überhaupt sind recht viele Kreaturen chimärischen Ursprungs oder ein solcher wird zumindest vermutet. Analog zur Größe Myranors sind auch die Größen einiger Monster majestätisch. Acht Schritt große Bären sind schon extrem große Vertreter aus Meister Petz‘ Familie. Aber solange sie nicht hinter jeden Busch - nun gut, doch eher dem nächsten Gehölz - sitzen, ist das auch kein Problem.
Neben übergroßem oder abgedreht wirkendem Getier gibt es aber auch genug normal anmutendes, dem man über den Weg laufen kann.

Als “abgedreht” wird der Uralor wahrscheinlich von hartwurstigen Aventuriern wie mir eingestuft. Ein tödlicher Jäger, der seinen Ursprung in den Chimärenkriegen hat. Als Basis dienten der Gorla und der Zhirrach. Also ein großer Gorilla und eine Fangschrecke. Zusammen mit einigen Upgrades macht ihn das zu einer hochgefährlichen Kampfmaschine. Eine Jagd auf einen Vertreter dieser Spezies ist einer wahren Heldengruppe würdig. Es ist jedoch Vorsicht geboten, weil unterschiedliche Sichtweisen bezüglich der Rollenverteilung bestehen könnten…

Ähnlich mag das beim Venalyn sein. Im Gegensatz zum Uralor wirkt er auf den ersten Blick wie eine recht gewöhnliche Kreatur: Ein Luchs mit zwei übereinander gelagerten Augenpaaren. Man mag es schon vermuten, der Eindruck täuscht. Der Venalyn hat nicht nur herausragend scharfe Klauen. Er kann Aktionen seines Gegners bis zu einem gewissen Punkt vorausahnen und ist überaus lernfähig. Sein Repertoire wird endgültig beeindruckend durch die Fähigkeiten mit seinem Hintergrund zu verschmelzen (auch in Bewegung!) und die Umgebung ungehindert von Bewuchs wahrzunehmen. Magiebegabte erfahren bei einem Angriff bevorzugte Behandlung, was der Kreatur den Zweitnamen “Optimatenreisser” eingetragen hat.

Wie man in den Genuss einer Begegnung mit diesen Kuscheltieren kommt, behandelt das letzte Kapitel des Bandes. In einzelnen Landschaftszonen Myranors werden die Regeln für Zufallsbegegnungen festgelegt. Der zugrunde liegende Mechanismus macht im Normalfall drei Würfe notwendig. Dabei spielt die Häufigkeit einmal generell von Wildvorkommen in der Zone und zum zweiten das Vorkommen der Einzelkreatur eine Rolle. Dazu gibt es zu jeder Landschaftszone eine Karte mit farblicher Hervorhebung des Bereichs. Ergänzt wird das Ganze von zusätzlichen Angaben wie z.B. zum Klima oder der prägenden Vegetation.

Nicht verschwiegen werden soll der Index zum Abschluss des Bandes.

Fazit
Mit Myranische Monstren kann man einen gelungenen Band für stolze 40 € erwerben. Diese Summe rentiert sich, bekommt man dafür doch viel Nützliches und für den Spieltisch verwertbares. Einige der Kreaturen sind einfach beeindruckend und man möchte gleich anfangen, die Informationen aus dem Band aufzugreifen und ein Abenteuer um sie herumzubauen. Die Einteilung der Kreaturenschreibungen in herkömmliche Vertreter einer Region sowie in “Spezialkreaturen” im Bestiarium ist eine wirksame Maßnahme. Die Aufmachung in Vollfarbe gefällt. Die Anzahl der Unzulänglichkeiten wie Rechtschreibfehler, Ungereimtheiten und Wertedreher hält sich in Grenzen. Daher wird nicht genörgelt, damit das furchteinflößende Gebiss des Schattengründlers mit 2W6+31 TP nicht den Rezensenten in der Mitte zerteilt.

Für mich war Myranische Monstren der zweite vorsichtige Schritt Richtung Myranor und es scheint nicht der letzte zu bleiben. Ich kann eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Im Rahmen unseres neuen Bewertungssystems erhält Myranische Monstren das silberne Okular.

Empfehlenswert

Selvirion mit Dank an alle Beteiligten insbesondere an den Uhrwerk-Verlag.



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