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Rohalstag, 25. Peraine 1030 Bosparans Fall

“Offene Bewährung” – Interview mit Katharina Willecke von der JVA Moers-Kapellen

25. Peraine 1030 Bosparans Fall - 08:23 | Von: | Kategorie/n: Empfehlenswert, S07 - Im Gespräch, S07 - Neuheiten, S07 - Prominenz, Z Spiel '07 Diesen Beitrag drucken

Auf der Spiel ’07 präsentierten sich nicht nur die etablierten Verlage wie Hasbro, Kosmos oder Ravensburger und die zahlreichen Kleinverlage, denn erstmalig war auch die JVA Moers-Kapellen präsent, nicht als Anstaltsausflug, sondern als Aussteller.

In der luftigen (was sich gerade am Samstag als sehr positiv herausstellen sollte) Galeria neben der Halle 4 wurde mit Ohne Bewährung – Der offene Strafvollzug ein Spiel präsentiert, welches von den JVA-Bediensteten zusammen mit den dortigen Insassen entwickelt wurde. Ziel ist es, spielerisch zu erleben, wie der offene Strafvollzug von der staatsanwaltlichen Einweisung bis hin zur Entlassung funktioniert.

Federführend verantwortlich ist Katharina Willecke, die am Rande der Internationalen Spielage ein paar Fragen zu dem Spiel beantwortete:




(Katharina Willecke am Stand der JVA auf den Internationalen Spieltagen in Essen)

Wie sind Sie dazu gekommen dieses Spiel zu entwickeln?

Willecke: Der Ursprungsgedanke war, Öffentlichkeitsarbeit über einen spielerischen Weg zu gestalten, da wir eine Einrichtung sind, in die die Öffentlichkeit wenig Einblick hat. Mit Humor und Spannung wird eine wirklichkeitsnahe Vorstellung vom offenen Strafvollzug vermittelt – und dass die Gefangenen hier gefördert, aber auch gefordert, werden.

Das bedeutet, die Spieler erleben durch das Spiel, wie bei Ihnen eine Haft abläuft?

Willecke: Ja, das ist der Sinn des Spieles. Wir haben bewusst größere Kartensätze entwickelt, um mehr Informationen zu vermitteln. Vollzug ist ein komplexes Thema. Auch soll es den Leuten auf jeden Fall Spaß machen, so dass sie es gern spielen.

Wie hat die JVA, bei der Sie ja beschäftigt sind, darauf reagiert, als Sie die Idee dazu hatten?

Willecke: Ich habe mit der Anstaltsleitung gesprochen und stieß auf große Begeisterung. Ich habe auch im Verlauf der Entwicklung des Spieles sehr viel Unterstützung erfahren und mir natürlich damals zu keiner Zeit träumen lassen, dass wir jetzt, schon kurz nachdem wir mit dem Verkauf begonnen haben, auf der Spielemesse vertreten sind. Wir haben den Verkaufsstart des Spieles ausgerichtet auf unseren Tag der offenen Tür, der im September diesen Jahres stattgefunden hat. Und jetzt überrollen uns die Ereignisse!

Sie sagten gerade, dass Sie unterstützt worden sind. Wurden Sie nur von den Beschäftigten der JVA unterstützt oder auch von den Inhaftierten?

Willecke: Von allen Seiten! Alle waren begeistert von der Idee, alle haben ihren Teil dazu beigetragen. Die Herstellung obliegt der Arbeitstherapie der JVA Moers-Kapellen und alle Inhaftierten die dort tätig sind, haben mit Begeisterung daran mitgearbeitet. Ich kann auch noch sagen, dass wir nicht alle Einzelheiten des Spieles bei uns haben herstellen können.
So sind die Druckaufträge von der JVA Geldern erledigt worden. Hier haben wir einen hervorragenden Kooperationspartner gefunden. Letztlich kann man aber sagen, dass das Spiel komplett im Vollzug
hergestellt wird. Ergänzend kann man noch sagen, dass Unterstützung auch durch unsere vorgesetzte Behörde, das Landesjustizvollzugsamt NRW, gekommen ist. Auch dort wurde die Idee von Anfang an mitgetragen.

Die Spielmaterialien, die man jetzt sehen kann, wie z.B. das große Spielbrett, das ein wenig an Das Spiel des Lebens erinnert, wurden die auch in der JVA konzipiert?

Willecke: Ja. Die Grafik ist auch bei uns entwickelt worden. Wir hatten damals einen sehr kreativen Inhaftierten, der die Grafik gestaltet hat. Dieser blieb letztlich sogar freiwillig länger um das Spiel fertigzustellen.

Er ist freiwillig länger “hinter Gittern” geblieben um das Spiel fertigzustellen?

Willecke: Ja, aber wir haben keine Gitter, denn wir sind offener Vollzug. Ich muss natürlich dazu sagen, dass das nicht in jedem Fall möglich ist. Es handelte sich hier um eine Ersatzfreiheitsstrafe mit einem monetären Hintergrund, das heißt, es war eine Geldstrafe zu zahlen und nur dann, wenn man sie nicht zahlt, werden Tagessätze verbüßt. Man kann aber jederzeit durch die Zahlung der festgesetzten Summe die Haft verkürzen. Er war aber so begeistert, dass er, obwohl er die Möglichkeit hatte, das Geld teilweise zu zahlen, diese nicht sofort nutzte, weil er von dieser Spielidee ebenfalls sehr begeistert war.

Sie sind ja relativ kurzfristig zur Spiel ’07 als Nachzügler gekommen und stehen zum Beispiel auch gar nicht im offiziellen Messekatalog. Wie ist es denn passiert, dass Sie jetzt nach Essen gekommen sind?

Willecke: Wir haben, wider Erwarten, doch noch kurzfristig einen Stand bekommen. Das war Anfang Oktober. Seither haben wir in der wenigen Zeit, die noch zur Verfügung stand, den Messeauftritt intensiv vorbereitet.

Sie haben jetzt dadurch natürlich eine Art “Crash-Kurs” in Sachen Messeauftritt absolviert. Was muss man denn als z.B. Kleinverlag beachten, der erstmalig auf der Spielemesse etwas veröffentlichen will?

Willecke: Wir haben uns in Teams zusammengesetzt und überlegt, wie wir den Stand gestalten können. Wir haben 10 qm, aber halten das auch für ausreichend. Wir haben uns bei der Messebetreuung erkundigt, welche Bedingungen wir einhalten müssen und haben es auch als selbstverständlich angesehen, dass wir den Besuchern Spieltische zur Verfügung stellen. Wir haben dann unsere Werbeplakate und das Spielbrett als Wandgestaltung für die Wände genutzt, und ein Stopp-Schild als Hingucker mit der Aufschrift “Knastprobe exklusiv!” gestaltet, damit wir auf uns aufmerksam machen konnten.




(Hier wird der offene Strafvollzug spielerisch erlebt)

Ich sehe jetzt hier jemanden in einer schwarz-weiß gestreiften Kleidung. Ist das jetzt ein Inhaftierter oder ein Kollege von ihnen, der hier Werbung macht?

Willecke: Das ist ein Kollege aus der Arbeitstherapie. Wir haben das im Team geklärt und Herr Haberstroh war von der Idee begeistert, an der Messe teilzunehmen und mit dieser Kostümierung Werbung zu machen. Wir haben aber auch einen Inhaftierten, der uns an den Messetagen bei der Standbetreuung mithilft. Wir werden von unserer Anstaltsküche hervorragend versorgt, die uns jeden Morgen Essen und Kaffee mitgibt. Es ist sehr hilfreich, dass wir uns darum nicht kümmern müssen.

Wie schätzen Sie die Resonanz der Messebesucher, aber auch der Medien ein? Wie kommt das Spiel an?

Willecke: Also, ich habe mit soviel Medieninteresse nicht gerechnet, wobei es aber auch schwierig ist, sich mit bestimmten Erwartungen hierher zu begeben. Es ist mein erster Messebesuch auf den Internationalen Spieltagen und dann gleich von der Ausstellerseite.

Ich bin von dem, was wir hier erlebt haben, sehr positiv überrascht! Es erscheint mir wie ein Traum.

Wie viele Spiele haben Sie denn schon verkauft? Müssen Sie schon Nachschub ordern?

Willecke: Ich habe momentan überhaupt keinen Überblick. Ich bekomme aber mit, dass in der Anstalt die Telefone heiß laufen. Wir werden zu Anfang der kommenden Woche erst einmal ein Resümee ziehen. Das ganze müssen wir auswerten, so dass ich am heutigen Tag noch gar nichts dazu sagen kann.

Ich kann nur kurze Eindrücke schildern: Gestern abend hörten wir, dass Leute noch abends um halb neun angerufen haben. Unsere Kanzleikraft sagte mir, dass sie sich schon mit “Sekretariat Ohne Bewährung” melden wollte. Ein Käufer hat gleich 15 Spiele bestellt! Wir müssen schauen, wie wir weiter vorgehen.

Nicht dass Sie noch mehr Leute inhaftieren als notwendig!

Willecke: *lacht* Nein, nein, auf keinen Fall! Ich glaube aber, dass unsere Inhaftierten sehr motiviert sind.
Als Herr Haberstroh nach der Messe zurückkam, haben einige noch freiwillig in der Werkstatt gearbeitet, obwohl um 16.00 Uhr Arbeitsschluss ist. Sie sind stolz darauf, dass unsere Produkte – nicht nur das Spiel – gut ankommen.

Das Spiel hat also auch positive Auswirkungen auf das Klima in der JVA selbst?

Willecke: Ich würde es so sehen, ja. Die Begeisterung wird geteilt, sowohl von den Kollegen als auch von den Inhaftierten.

Wo wir gerade über die Bestellungen geredet haben. Wo kann man denn, abgesehen vom Direktkauf auf der Messe, das Spiel kaufen?

Willecke: Wir bieten das Spiel im Alleinvertrieb an. Es gibt die Möglichkeit es telefonisch zu bestellen, besser wäre es aber über das Internet. Die allgemeine eMail-Adresse der JVA lautet poststelle@jva-moers-kapellen.nrw.de und die Mails werden entsprechend weitergeleitet.
Ansonsten auch gerne über unsere Internet-Seite http://www.jva-moers-kapellen.nrw.de/, von der man direkt zum JVA-Justiz-Shop gelangt, wo man das Spiel direkt bestellen kann.

Dann danke ich Ihnen für das Interview und wünsche Ihnen noch viel Erfolg!

Willecke: Ich bedanke mich auch!

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